Autos

Bereits in den 70ern zeigten die Stilstudien der italienischen Karosserie-Bauer vom Rang eines Pininfarina, Bertone, Ghia oder Giugiaro, dass das Auto der Zukunft nicht mehr viel mit dem der damaligen Gegenwart gemeinsam hatte. Hinzu kommt, dass der Verkehr mit etwa 20 Millionen zugelassenen Fahrzeugen in der Bundesrepublik einfach traumhaft war; man definiere den Begriff “Stau” in den 70er Jahren! In der Fachpresse wurde bereits 1978 behauptet, dass stilistische Revolutionen nicht mehr zu erwarten seien. "Das Auto der absehbaren Zukunft wird schlichter, formal überzeugender und somit funktionell richtiger sein", schrieb der Autor Eberhard Seifert in "Neues Wissen". Er hat folgerichtig erkannt, dass stilistische Extravaganzen, wie einst die berüchtigten Heckflossen oder mit Chrom verzierte Frontpartien nicht mehr gefragt sind. Man war sich in Fachkreisen auch darüber bewusst, dass das Auto von morgen weniger Benzin braucht, leiser ist, weniger Schadstoffe in die Luft bläst, und somit umweltfreundlicher sein wird. Der italienische Design-Papst Pininfarina präsentierte 1975 bereits eine aerodynamische Studie des Ferrari Cr24 mit der Zielsetzung des niedrigen Luftwiderstands im Längs- und Querprofil, des minimalen Auftriebs und der optimalen Innenraum-Belüftung. Der Cr24, der nie in Serie gebaut wurde, hatte Luftbremsklappen und eine Kunststoff geschützte Karosserie. In der Fachpresse “Auto-Motor-Sport” war schon 1976 von Turbo-Diesel-Motoren und Airbags die Rede. Opel baute 1977 einen Diesel mit 190 PS, der 250 km/h schnell war (zu jener Zeit war das ein Porsche-Killer)! Zu jener Zeit waren unsere Autos weder mit Sicherheitsgurten, noch mit Kopfstützen ausgerüstet. In einem Bericht mit dem Titel “Auto der Zukunft” von 1977 stand ein Bericht über den noch unbekannten Airbag: “Der air-bag oder Luftsack ist eigentlich ein Abfallprodukt der Raumfahrt. Seit Jahren wird der Einbau in Autos diskutiert, um die Zahl der schweren und tödlichen Verletzungen wesentlich herabzusetzen. Um das Für und Wider richtig zu verstehen, muss man wissen, dass der Luftsack im Falle einer Kollision über einen feinfühligen Sensor innerhalb von 30 bis 50 Milli-(Tausendstel) Sekunden aus der Lenkradnabe bzw. dem Armaturenbrett ausgestoßen wird und sich mit einem ungefährlichen Gas, meist Stickstoff, füllt.” Man bedenke, dass diese Textzeilen immerhin 25 Jahre zurück liegen. 1973 hat Porsche als zukunftorientiertes Forschungsprojekt ein so genanntes Langzeitauto präsentiert. Klartext: Bei 30% Mehrpreis und einer geschätzten Lebensdauer von 20 Jahren, bzw. 300.000 km Fahrleistung rechneten die Zuffenhausener mit einer Energie-Einsparung von 30% und einer Rohstoff-Ersparnis von 65%. Im Strukturmodell von Porsche wurde deutlich sichtbar, dass die Karosserie aus Aluminium bestand. In den Aufbau war ein Überrollbügel eingearbeitet und der Flankenschutz in den Türen war ebenso zu erkennen. Träger und Hohlräume des Aufbaues sollten zwecks erhöhter Energieaufnahme mit Kunststoff ausgeschäumt werden (zugleich Korrosionsschutz). Ford präsentierte zur selben Zeit einen Prototyp eines City-Cars. Das umweltfreundliche Elektroauto wurde immer wieder heiß diskutiert, aber die Batterien waren zu schwer und speicherten zu wenig Energie.


Nun zu den Fahrzeugen, die zu jener Zeit tatsächlich die Straßen pflasterten:

Alfa Romeo (Mailand, Italien)
hatte in den 70ern die schönsten Designs in Europa zu bieten. Ob Alfasud, Alfasud Sprint, Giulia Nuova, Montreal, Zagato oder Alfetta GTV - die Autos waren sportlich, elegant und form vollendet. Leider war das Image nicht hervorragend, denn der Alfasud mit seinem drehfreudigen Boxer-Motor war gleichermaßen als Rostlaube bekannt.

Audi (damals noch aus Neckarsulm, Deutschland)
war mit dem kleinen Audi 50 (eigentlich ein VW Polo) sehr erfolgreich, aber auch der Audi 80 und der Audi 100 waren angesagte Familien-Kutschen.

Autobianchi (Turin, Italien)
hatte Mitte der 70er mit dem kleinen A112 großen Erfolg. Das Auto war formschön und vor allem die getunte Abbarth-Version war ein begehrter Flitzer für Menschen mit Geschmack!

BMW (München, Deutschland)
war zu Beginn des Jahrzehnts noch mit der 02-Serie erfolgreich. Der 1502 war ein müder Knochen, aber dafür wurde der 2002ti zum brandgefährlichen Spielzeug für Erwachsene. Mitte der 70er wurde der 3er BMW zum Nachfolger der 02-Serie. Die 5er und 7er waren sportliche Limousinen, und das 6er Coupe (der 630CS brachte es mit seinen 6-Zylindern auf immerhin 215 km/h) wurde zum sportlichen Flaggschiff der Münchner. Das schönste Modell jener Zeit war der M1, der einem leider nur selten auf den Straßen begegnete. Zuerst wollte die Rennsemmel kein Mensch haben ... und Ende der 80er wurden die wenigen Modelle zu atemberaubenden Preisen gehandelt.

Citroen (Paris, Frankreich)
hatte den 2CV im Sortiment. Mit 23 (2CV 4), 28 bzw. 29 PS (2CV 6) war “die Ente” wirklich ein absolut sparsames, und nie aus dem Trend geratenes Fahrzeug auf vier Rädern. Die unzähligen deutschen Spießer haben sich immer über das Studenten-Auto mit Pistolen-Schaltung aufgeregt, aber wer einmal mit dem Zwei-Zylinder gefahren ist, war in der Regel begeistert (ähnlich wie heute bei Smart und Mini). Einen gewaltigen Image-Zuwachs erhielt die “Ente” durch die TV-Serie Der Bastian mit Holger Jansen (in der Hauptrolle). Die Modelle Dyane, LN, GS und CX waren weniger aufregend, obwohl der GS Pallas wirklich ein Verkaufserfolg wurde. Formschön war auch der Ami 8 (ein 2-Zylinder-Motor mit 602 Kubik); er sah aus wie die Autoscooter jener Epoche!

De Tomaso (Modena, Italien)
baute wunderschöne Automobile. Ob Pantera oder Longchamp - der lange Zeit in Pesaro lebende “De Tomaso” war ein absoluter Favorite-Designer. Jede einzelne Linie und jedes noch so kleine Detail des Meisters waren formvollendet. De Tomaso zählte neben Pininfarina und Bertone zu den besten Designern Italiens.

Ferrari (Maranello, Italien)
kennt jeder und findet fast jeder Auto-Liebhaber schön! Wer es nicht tut, dem ist vermutlich etwas entgangen, denn es gibt vor allem aus den 70er Jahren einige traumhaft schöne Modelle. Das gilt nicht für den Dino 308 GT4, aber auf jeden Fall für den 512 BB, für den legendären Daytona und auch für den 365 GT4. Die 12-Zylinder hatten damals einen unvergleichbaren Biss!

Fiat (Turin, Italien)
war vor allem mit den Kleinwagen erfolgreich. Es gab den 126er, den 127er, das Modell 131, 132 und natürlich den sportlichen X1/9, mit abnehmbaren Dach. Das Favorite-Modell der Szene wurde der 124 Pininfarina-Spider.

Ford (Köln, Deutschland)
baute in erster Linie kommerzielle und funktionelle Fahrzeuge. Ob Fiesta, Escort, Taunus, Granada oder Consul ... es waren praktische und zuverlässige Teile. Der Ford Escort war noch in der zweiten Hälfte der 70er Jahre mit Blattfedern ausgestattet – das ist kein Scherz! Elegant und sportlich zugleich waren die Ford Capri – Modelle; die Capri 1 –Serie aus der ersten Dekade der 70er ist inzwischen fast unbezahlbar geworden! Im Zeitalter des 70er Jahre Revivals sind sowohl Granada, wie auch Consul extrem angesagt. Von beiden Modell-Varianten sind die Sportsäufer-Versionen (die durstigen 6-Zylinder) mittlerweile Kult!

Innocenti (Milano, Italien)
hatten nur den Mini 90 und das Modell Mini De Tomaso im Programm. Beides sind nette Kleinwagen, die mir auch heute noch gefallen. Die De Tomaso-Version brachte es auf 160 km/h ... ganz schön flott, für das Fliegengewicht!

Lamborghini (Bologna, Italien)
ist in den 70ern durch den Countach bekannt geworden. Der 12-Zylinder mit seinen knapp 4.000 Kubik brachte es auf 315 km/h (der Porsche-Turbo lag damals bei läppischen 250 km/h) und entpuppte sich als Straßen-Rakete. Leider blieben die Modelle Espada und Murena fast immer im Hintergrund, obwohl sie ebenso schön waren wie der Countach!

Lancia (Turin, Italien)
hatte mit dem Beta Spider 2000 und dem Montecarlo zwei schöne Coupes am Start, wobei der Absatzmarkt in Deutschland nicht so riesig war. Im Rally-Sport war der Stratos erfolgreich. Auch Rally-Weltmeister Walter Röhrl erlangte mit dem Stratos-Coupe einige Siege.

Maserati (Modena, Italien)
begeisterte mit dem 8-Zylinder des Kyalami die Freunde des schönen Designs. Der Kyalami lief 240 km/h und zählte zu den elegantesten Sport-Coupes jener Zeit. Die 6-Zylinder Rennsemmel Merak war aber sportlicher und deshalb auch beliebter. Der Merak ist inzwischen ein begehrtes Sammler-Objekt.

Mazda (Hiroshima, Japan)
war damals noch nicht besonders erfolgreich in Deutschland. Es ist für Liebhaber von schönen Autos und spritzigen Motoren wirklich nicht einfach, zu japanischen Gefährten eine Beziehung aufzubauen. Detail verliebte Menschen haben es nicht immer leicht!

Mercedes-Benz (Stuttgart, Deutschland)
hatte mit der Baureihe W124 (200-300E) in der zweiten Dekade der 70er riesengroße Verkaufserfolge. Die Diesel hatten 1976 eine Lieferzeit von etwa drei Jahren! Der “nagelnde” Diesel war auf allen Straßen zu hören - ein zuverlässiges Fahrzeug! Die S-Klasse (W116) hatte Stil und zählte zu den elegantesten Limousinen aus deutscher Produktion. Der 8-Zylinder 450 SEL 6,9 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Wunderschön war natürlich auch das Coupe, z.B. der 350 SL mit Stoffdach oder Hardtop. Der 70er-Jahre Traum aus dem Hause Mercedes wurde der C111 mit Flügeltüren. Die bb-Studie (bb stand für Buchmann-Buchmann in Frankfurt) hatte 375 PS und erreichte eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 319 km/h.

Monteverdi (Basel, Schweiz)
hatte einige Edel-Gefährte im Stall. Allem voran die Limousine 375/4, ein traumhaft schnurrender 8-Zylinder! Auf unseren Straßen blieb der Monteverdi dennoch eine Seltenheit. Bekanntheit erreichte das Auto durch den Spielfilm “Car Napping”.

Nissan (Tokyo, Japan)
ist ebenfalls eine Marke, die robuste und zuverlässige Fahrzeuge produzierte. Über das Design eines Nissan Datsun 120 Y kann man streiten – aber das Unternehmen hatte schon damals Erfolg in Deutschland und dementsprechend wohl funktionstüchtige Fahrzeuge.

NSU (Neckarsulm, Deutschland)
brachte mit dem Wankelmotor-Geschoss Ro 80 eines der schönsten Designs deutscher Geschichte auf die Straßen. Das Design war schon damals einzigartig und auch heute ist der Ro 80 noch ein wunderschöner Wagen. Es gibt einige Oldtimer, die nennt man heute tatsächlich Youngtimer, weil sie so exzellent in die aktuelle Retro-Zeit passen, als hätten sie die Designer Pininfarina und Konsorten erst gestern auf dem Reißbrett entworfen. Zu diesen Schmuckstücken zählt übrigens auch der NSU Prinz TT; ein sportlicher Wagen der Extraklasse, der nach seinem Debüt im Jahre 1967 zu einem Top-Seller der Neckarsulmer wurde. Bis zum Produktionsende 1972 liefen allein von diesem 1200er mit 65 PS über 50.000 Exemplare vom Band. Noch heute sieht man bei einigen Rennsport-Veranstaltungen den Hecktriebler incl. Spiess-Tuning auf den vorderen Ranglisten, denn dieses Geschoß ist wendig, leicht und bis heute nahezu unschlagbar!

Opel (Rüsselsheim, Deutschland)
baute zuverlässige Fahrzeuge für das Volk! Die Modelle Kadett, Rekord, Ascona und Manta waren allgegenwärtig und ziemlich erfolgreich. Die Hochburgen für getunte Opels kamen erst in den 80er Jahren zum Vorschein (die befanden sich in Bergheim sowie in und um Regensburg. Es gab wirklich keinen Tuning-Fauxpas, den man nicht zwischen Schwandorf, Kelheim und Viechtach vorfinden konnte). Augenblicklich angesagt sind die alten Opel Rekord. Wunderschön sind die Modelle Kapitän und der Diplomat. Dass die restlichen Modelle irgendwann mal angesagt sind im urbanen Retro-Dschungel, ist durchaus möglich!

Peugot (Paris, Frankreich)
brachte mit dem 104 ZL Coupe einen schnuckeligen Kleinwagen auf die Straße; mit dem 504 eine Limousine und mit dem 604 eine exklusive Familienkutsche. Die Wagen waren zuverlässig und erfüllten den Zweck, sich von A nach B zu bewegen. Ob es eine andere Philosophie gab, kann ich nicht beurteilen.

Porsche (Zuffenhausen, Deutschland)
baute schon immer das edelste Gefährt aus deutschem Lande: Den 911er !!! Egal ob als geschlossenes Coupe, als Targa oder als Turbo-Version; der 911 war schon damals “der Porsche”. Das Fake-Modell 924 mit 4-Zylinder Audi-Motor war auch ganz witzig, aber ein Porsche war das nie! Interessant vom Design war das Modell 928 – vermutlich das erste Serienfahrzeug ohne sichtbare Stoßfänger!

Renault (Paris, Frankreich)
erreichte gute Verkaufszahlen mit dem R4, dem R5 und auch mit dem R14. Der R16 war so ziemlich das erste Fließheck; er kam 1968 auf den Markt (wurde bis Ende der 70er gebaut). Das war der Vorreiter des VW Golf. Renaults waren allesamt sparsam und praktisch. Auch wenn man sie nicht besonders schön fand, konnte man echt nichts dagegen halten, denn die Franzosen hatten nie aufdringliche Autos, über die man sich ärgern musste.

Saab (Schweden)
das waren diese bulligen Schweden-Autos. Der Saab 99 war eines dieser Gefährte, über die man nur wusste, dass sie sicher sind (falls es mal kracht). Vermutlich hatten alle Saab-Fahrer in den 70ern einen grauen Vollbart und sahen aus wie Physik-Lehrer oder Meeres-Forscher.

Skoda (Ceskoslovensko)
war Weltmeister im Luft verpesten. Das glaubt heute kein Mensch mehr, aber die Teile haben gestunken wie die Pest. Ob Skoda 110 R oder 120 L - beide Wagen waren sehr eigenartig vom Design. Diese Gefährte waren als Teilnehmer bei jeder Rallye zu sehen! Man konnte sie noch riechen, als sie schon zehn Minuten außer Sichtweite waren. Keine Ahnung, warum die nicht im Guiness-Buch der Rekorde stehen.

Toyota (Nippon)
war auch eine der Marken, von der man wusste, dass sie zuverlässige Fahrzeuge bauen. Der Corolla 1200 hatte ein sehr eigenartiges Design (“Nichts ist unmöglich”, ein absolut treffender Slogan, den damals leider noch niemand kannte). Der Celica GT war optisch auf jeden Fall akzeptabel.

Land Cruiser
waren damals die einzigen Geländewagen in Deutschland! Vielleicht war die Marke deshalb auch interessant, weil man nur selten so einem Gefährt begegnet ist zu jener Zeit.

Volkswagen (Wolfsburg, Deutschland)
war die Historie, die mit dem Käfer begann und in den 70ern mit Polo und Golf fortgeführt wurde. Es gab den K70, den Passat, den Derby und den Scirocco, aber der Golf war ab Mitte der 70er Jahre der Renner bei VW. Der Golf ist seit der ersten Serie ein gelungenes Auto für Menschen aller Klassen. Der Verkaufspreis lag 1976 noch bei etwa 7.500 Mark ... und kein deutsches Fahrzeug hat bis heute eine vergleichbare Wertstabilität am Gebrauchtwagen-Markt erreicht wie das Fließheck aus Wolfsburg.
Der Golf hat seit 1976 das beste Image, das man sich als Automobilbauer wünschen kann und ist seit dieser ersten Serie ein Fahrzeug mit einem extrem zeitgemäßen Design.

Volvo (Göteborg, Schweden)
hat fast immer fette Schlitten gebaut. Der 66 GL war das kleine Geschoß, aber der 244 DL und auch der 264 GL waren diese Elefanten-Autos! Man sprach irgendwann mal vom sichersten Auto der Welt – und das kann man sich gut vorstellen. Volvo-Fahrer waren früher fast immer diese Formel-Wisser (sie waren männlich, hatten einen grauen Vollbart, haben ausgesehen wie Professoren der Bereiche Chemie-, Physik- oder Mathematik. Sie hatten den “Spiegel” im Abo (seit ihrer Studentenzeit) und wussten all das, was man nicht wirklich wissen muss!